Was sind Angststörungen?

Von einer Angststörungen spricht man, wenn unser Körper-Geist-System auf Situationen mit Angst reagiert, die objektiv betrachtet keine Bedrohung darstellen. Angst ist ursprünglich ein Überlebenswichtiger Mechanismus: Sie versetzt uns in Alarmbereitschaft, steigert Blutdruck, Puls und Atemfrequenz und setzt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol frei. So waren wir im Steinzeitalter in der Lage,  bei akuter Gefahr – etwa durch ein Raubtier – unmittelbar mit Kampf oder Flucht zu reagieren.

In der modernen Welt greifen diese Mechanismen jedoch häufig in Situationen, die keine reale Gefahr für Leib und Leben bedeuten. Statt einer körperlichen Reaktion wie Flucht oder Verteidigung tritt heutzutage häufig ein Inneres Erstarren („Freeze-Modus“) ein. Dadurch werden die ausgeschütteten Stresshormone nicht durch Bewegung abgebaut, die Emotionen können nicht natürlich verarbeitet werden und das Nervensystem bleibt über Stunden hinweg in einem erregten Zustand.

Die Folge ist ein Ungleichgewicht in der Körperchemie, das zahlreiche Symptome nach sich ziehen kann – darunter Verdauungsprobleme, Muskelverspannungen und innere Unruhe. Angststörungen sind somit nicht nur psychisch belastend, sondern wirken sich auch unmittelbar auf das körperliche Wohlbefinden aus.

Angststörungen, werden in folgende Formen unterschieden...

 

Angst & Panikstörung 

Symptome...

  • Wiederkehrende Panikattacken, die teils Situationsunabhängig auftreten 
  • Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüche, Enge in der Brust, Hitzewallungen...
  • Das Gefühl einen Herzinfarkt zu bekommen 
  • Angst umzukippen und zu sterben 
  • Veränderte Wahrnehmung der Umgebung (Derealisations- und Depersonalisationserleben)
  • Angst verrückt zu werden und die Kontrolle zu verlieren 
  • Angst vor der Angst

Generalisierte Angststörung 

Symptome...

  • Andauernde Anspannung und Sorge, dass etwas schlimmes passiert. Beispielsweise ängstigt sich ein Betroffener, dass ein Familienangehöriger der erkrankt, oder finanzielle Probleme bevorstehen, obwohl es Objektiv keinerlei Anzeichen dafür gibt. 
  • Ständige Starke Anspannung 
  • Ständiges sich Sorgen machen 
  • Vegetative Symptome wie Schwitzen, Mundtrockenheit, beschleunigter Herzschlag, Benommenheit
  • Chronische Muskelverspannungen (z.B. Schulter/Nacken Bereich)
  • Ständige Nervosität und innere Unruhe

Soziale Phobie 

Symptome...

  • Angst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen
  • Angst sich irgendwie peinlich oder beschämend  zu verhalten
  • Angst in Gruppen (z.B. Meetings, Familienessen) 
  • Starke Präsentationsangst (z.B. Referat, Bewerbungsgespräche...)
  • Minderwertigkeitsgefühle 
  • Soziale Isolation
  • Starkes Vermeidungsverhalten sozialer Interaktionen

Agoraphobie 

Symptome...

  • Angst vor Situationen oder Orten, aus denen eine Flucht schwierig oder peinlich wäre (z.B. Zug, Restaurant, Kino, Einkaufszentren, Fahrstuhl)
  • Panikattacken in den Angstauslösenden Situationen 
  • Angst sich von Zuhause zu entfernen (z.B. längere Reisen)
  • Angst vor Menschenmengen
  • Angst vor der Angst
  • Im Extremfall ist das Verlassen der eigenen 4 Wände nicht mehr möglich
  • Starkes Vermeidungsverhalten von auslösenden Situationen 

Isolierte Phobien 

Beispiele...

  • Angst vor dem Fliegen
  • Höhenangst
  • Angst vor Spinnen 
  • Angst vor Ansteckungen (z.B. HIV, Covid...)
  • Angst vor Spritzen 
  • Angst vor Blut
  • Angst vor dem Zahnarzt 
  • Starkes Vermeidungsverhalten

Raus aus der Angst

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen unserer Zeit. Statistisch gesehen erlebt etwa jede vierte Person im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Form von Angst. Viele Betroffene fühlen sich dadurch im Alltag eingeschränkt und leiden unter wiederkehrenden Sorgen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.

Eine zentrale Rolle spielen dabei automatische Denkmuster, denen unreflektiert Glauben geschenkt wird. Negative Gedankenschleifen setzen die Angstspirale in Gang. Der Verstand entwirft Worst-Case-Szenarien und versucht, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Dies führt häufig zu einer Hyper-Wachsamkeit, bei der selbst kleinste Details übermäßig wahrgenommen und fälschlicherweise als bedrohlich bewertet werden. Das Nervensystem bleibt dadurch in chronischer Alarmbereitschaft – ein Zustand, der enorme psychische wie körperliche Energie kostet.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Angstreaktionen in belastenden Situationen grundsätzlich sinnvoll sind. Sie dienen dem Schutz und der Vorbereitung auf mögliche Gefahren. Wird die Angst jedoch unverhältnismäßig stark und bestimmt zunehmend den Alltag, ist es ratsam, gezielte Lösungsstrategien zu entwickeln und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Strategien zur Behandlung von Angsterkrankungen 

Mein Ansatz zum Umgang mit Angsterkrankungen umfasst sowohl Verhaltenstherapeutische Interventionen sowie Achtsamkeits und Meditationstechniken...

Mentaltechniken zur kognitiven Umstrukturierung 

Negative oder dysfunktionale Gedankenmuster können erkannt, hinterfragt und durch realitätsnahe Gedanken ersetzt werden. Auf diese Weise entsteht eine objektivere und ausgeglichenere Denkweise. Mit regelmäßiger Übung lassen sich belastende Gedanken als solche identifizieren, wodurch die Angstspirale unterbrochen werden kann.

Die sogenannte Beobachterperspektive ermöglicht es, eine gewisse Distanz zu den eigenen destruktiven Gedanken einzunehmen. Dadurch verlieren diese an Macht, die emotionale Reaktion fällt deutlich schwächer aus und die Überzeugung, dass jeder Gedanke automatisch wahr ist, beginnt zu bröckeln. Das Nervensystem erfährt eine spürbare Entlastung, weil nicht mehr auf jedes vom Verstand entworfene Horrorszenario reagiert werden muss.

Es mag zunächst irritierend wirken, dass unser Verstand nicht immer auf unser Wohlbefinden ausgerichtet ist. Viele Menschen kennen die innere Stimme, die kritisiert, klein macht oder sabotiert. Doch genau hier liegt die Chance: Dieses Spiel bewusst zu durchschauen und die Identifikation mit dem Verstand zu lösen.

Ein Gedanke ist letztlich nur ein Gedanke – er kommt und geht wie Wolken am Himmel. Als Beobachter hast du die Freiheit zu entscheiden, welchen Gedanken du Glauben schenken möchtest und welchen du ziehen lässt.

Durch die Kombination von kognitiven Techniken und Achtsamkeit kannst du nachhaltig lernen, dich von belastenden Gedanken zu distanzieren und ein Selbstbestimmtes Leben zu gestalten. Wie bereits auf meiner Startseite beschrieben: "Die einzig wahre Freiheit, ist die Freiheit vom eigenen Verstand – alles andere ist ein schlechter Kompromiss."

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion und ihre Wirkung bei Angststörungen

Ein achtsamkeitsbasiertes Stressreduktionstraining kann Angststörungen ähnlich wirksam lindern wie ein Antidepressivum – darauf weisen Fachleute des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN) hin.

Das Angstzentrum im Gehirn, die Amygdala, ist bei Menschen mit Angststörungen besonders sensibel und befindet sich häufig in ständiger Alarmbereitschaft. Ihre evolutionäre Aufgabe besteht darin, äußere Reize zu verarbeiten und Alarm zu schlagen, wenn Gefahr droht. Bei Angsterkrankungen reagiert die Amygdala jedoch übermäßig und schlägt Alarm in Situationen, die objektiv keine Bedrohung darstellen. Ursache hierfür sind häufig negative Lernerfahrungen und Konditionierungen. So kann beispielsweise ein einmaliger Angriff durch einen Hund dazu führen, dass das System künftig bei jeder Hundebegegnung Alarm auslöst. Auf diese Weise entstehen im Alltag zahlreiche Trigger, die zu dauerhaftem Stress führen.

Meditation hat nachweislich einen positiven Einfluss auf das Gehirn. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei Menschen, die regelmäßig meditieren, die Aktivität der Amygdala deutlich geringer ist als bei Nicht-Meditierenden. Grundlage hierfür ist die Neuroplastizität – die Fähigkeit des Gehirns, sich ein Leben lang zu verändern und neue neuronale Verknüpfungen zu bilden. Alte, dysfunktionale Muster können dadurch abgebaut und neue, hilfreiche Strukturen aufgebaut werden.

Der Schlüssel liegt in Meditation und Bewusstheit:

  • Ungünstige Denkstrukturen können Schritt für Schritt bewusst angepasst und verändert werden.

  • Ein achtsamer und annehmender Umgang mit eigenen Gefühlen und Körperempfindungen löst Blockaden und integriert negative Erfahrungen, was nachhaltig zu einer psychischen Entlastung führt. 

  • Neue Wahrnehmungsimpulse entstehen, die einen gesunden und selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen Wesen fördern.

So eröffnet sich die Möglichkeit, Angst nachhaltig zu reduzieren, innere Freiheit zu gewinnen und neue funktionale Gewohnheiten zu etablieren.